Montag, 17. Februar 2014 | By: maran79

Sayu Smiles von Sadako






Ich habe eine wundervolle Mutter, einen großartigen Vater und eine coole große Schwester. Meine Familie ist immer für mich da, wir gehören zusammen.
Aber ... ich wache in einem kalten Raum auf ... und bin alleine. Was ist geschehen?

Als die junge Sayumi in einer Zelle erwacht, kann sie sich nicht erinnern was mit ihr passiert ist. Ihr fehlen wichtige Erinnerungen über die vergangenen Jahre. Ihr Körper ist gealtert, war sie beim letzten Mal acht Jahre alt, sieht sie nun aus wie zwölf. Doch wo sind diese vier Jahre hin, an die sie keine Erinnerung hat? Und wer sind diese Menschen, die sie tagein, tagaus überwachen?






Dieses Buch hat mich die letzte Woche stark beschäftigt. Natürlich aufgrund seiner Dicke (ca. 600 Seiten) aber auch aufgrund seiner Komplexität. Es geht um die junge Sayumi, die an ihrem achten Geburtstag ins Koma fällt und dann aus dem Krankenhaus verschwindet.
Die Familie ist untröstlich, der Zustand der Mutter grenzt schon am Rande der Labilität, der Vater versucht Normalität zu bewahren. Als besondere Stütze empfand ich Sayus große Schwester Joey. Sie ist auch diejenige, die sich vehement weigert, als der Vater, Ryan, seine Frau in eine Nervenheilanstallt abschieben will.
Ein Großteil des Buches handelt von Sayumi, nur vereinzelt erhält man kurze Einblenden über andere Charaktere. Natürlich bekommt man nach und nach mehr Informationen zu der Geschichte und versteht, wie alles miteinander zusammenhängt.

Sayu Smiles hat sehr viel Lob und gute Bewertungen bekommen. Ich habe mir jetzt nicht alle Kommentare durchgelesen, allerdings fällt es mir schwer diese Rezi zu schreiben, denn ich habe nicht nur Lob, sondern auch viel Kritik. Damit werde ich wohl aus der Reihe fallen, aber ich behalte mir vor, ehrlich zu rezensieren.

Zuerst zu dem ganz dicken Lob, den ich der Autorin aussprechen möchte. Sie schafft es mit Worten, und dabei spreche ich besonders aus Sayumis Sicht, gewaltiges Kopfkino zu erschaffen. Ihre Beschreibungen sind so detailliert und bildhaft, dass man alles genau vor Augen hat und man in dieses Kopfkino entführt wird, ohne es zu merken. Als Leser kann man förmlich den Geschmack von Blut auf der Zunge spüren, oder verzieht das Gesicht, wenn der Charakter sich verletzt hat, eben weil es so glaubhaft und "nah" beschrieben wurde. Das hat mich positiv überrascht und sticht aus der Reihe der Bücher, die ich bisher gelesen habe.




Als ziemlich flach empfand ich alle anderen Charaktere. Jonathan, den Sayu immer "den Sympathischen" nennt, verändert sich von einem freundlichen Mann in einen Wahnsinnigen. Warum das so ist, wird nicht erklärt.
Auch von dem Vater erhält man keine zufriedenstellende Antwort. Er hat sich bewusst dafür entschieden eine Familie zu gründen und dann entschied er sich nochmals, diese Familie zu zerstören. Warum? Um seine Karriere zu fördern? Über seine Tätigkeit in dieser Firma weiß ich auch nicht viel Bescheid. War er der Projektleiter? Was genau tat er da? Wertete er die Ergebnisse aus? War er bei den Experimenten mit seiner Tochter zugegen? Ich erfuhr viel zu wenig darüber.
Ich hätte mir von ihm auch mehr Gefühlskonflikte gewünscht, ein Zittern wenn er an seine Entscheidung zurückdenkt, denn später erfährt man ja, wie sehr er seine Tat bedauert.

Sayus Freundin Lu May tauchte dann einfach wie von Zauberhand im späteren Verlauf der Geschichte auf. Auch sie blieb eine ziemlich blasse Figur. Die beste Freundin, von der man aber nicht wirklich viel erfährt.

Was mich besonders gestört hat, waren einige Szenen in dem Buch. Ich möchte jetzt nicht zu viel von der Geschichte verraten, aber es wird sich nicht vermeiden lassen.

Da Sayus Mutter Risa wegen dem Verschwinden ihrer Tochter immer unsicherer wird, möchte Ryan seine Frau in eine Nervenheilanstalt einweisen lassen. Zwei Männer stehen auf einmal vor der Tür. Die älteste Tochter Joey bemerkt das und kämpft mit allen um den Abtransport der Mutter aufzuhalten. Plötzlich ziehen beide Männer Waffen. Dies wird aus Ryans Sicht erzählt und macht dem Leser klar, dass die Mutter getötet werden soll. Nachdem Joey den Kampf verloren hat, Risa auf dem Weg ins Auto ist, zieht Ryan ebenfalls eine Waffe und erschießt seine älteste Tochter. Vielleicht bin ich da etwas pingelig, aber wenn beide sowieso sterben sollten, warum sie nicht gleich erschießen und dann die Männer rufen, damit sie die Leichen beseitigen?

Auch zu schaffen machten mir die großen Sprünge zwischen den Abschnitten. Als Sayu im Labor erwacht, sind vier Jahre vergangen. Den ersten Sprung nahm ich noch hin. Es passte und als Leser war man neugierig was nun mit Sayu passiert. Die Szenen im Labor wurden auch sehr gut beschrieben, man blieb immer neugierig und wurde in Atem gehalten. Leider jedoch verflüchtigte sich das für mich, so dass ich gerade bei der Hälfte des Buches  abgebrochen hätte. Aufgrund der vielen positiven Meinungen und weil immer wieder geschrieben wurde, wie gekonnt alles am Ende zusammenkommen würde, las ich weiter.

Es wurde beschrieben, wie ein grotesk verzerrtes Ebenbild Sayus, Soldaten tötet. Immer und immer wieder auf die gleiche Weise. Zu Beginn spannend, flachte das im Verlauf der Geschichte immer mehr ab. Als Leserin hatte ich kapiert, wenn man Sayu zu weit trieb, verlor sie die Kontrolle. Auch vermutete ich bei der Hälfte, wer Sayus Abbild sein könnte.

Der nächste Sprung war so verstörrend, dass ich wieder abbrechen wollte. Befand man sich im letzten Kapitel noch in einer Szene der Gefangenschaft, stand Sayu plötzlich auf einer Wiese und joggte. Es dauerte seine Zeit, aber dann merkte man, es gab wieder einen Sprung nach vorne.
Sayu war nun sechzehn Jahre alt. Wie sie der Gefangenschaft entkam, wird im ganzen Buch nicht aufgeklärt. Man erhält Spekulationen, dass ihr Vater das bewerkstelligt hat, mich hätte es aber mehr gefreut davon zu lesen oder mehr Infos darüber zu bekommen. Dann trat wieder die gleiche Routine ein. Sayu wurde verfolgt und erneut tötet sie Männer und Soldaten. Ab diesem Zeitpunkt hätte ich mir gewünscht, sie würde auch mal Frauen töten um etwas Abwechslung zu schaffen. Wieso diese Firma nach all den Jahren wieder die Jagd eröffnete, wird auch nicht erzählt. Man erhält von Ryan einige Vermutungen, die in weniger als drei oder vier Sätzen abgehandelt werden, mir aber nicht glaubhaft genug sind.

Der großen Abschuss wurde mir gegen Ende des Buches geliefert. Sayu wird erneut von den beiden Firmen Cyrene und Armacon verfolgt. Sie befindet sich mit ihrer besten Freundin auf der Flucht und beide gehen in einen Club. Darin gibt es eine Szene, in der jeder Clubbesucher eine Nuss erhält, die er knacken soll. Jeder knackt seine Nuss, nur Sayu schafft es nicht. Die Nuss fällt runter, aber als Sayu und Lu May gehen wollen, tritt ein kleiner Mann vor sie und überreicht ihr die Nuss... Was soll die Szene mit der Nuss???
Desweiteren inszeniert eine der Firmen einen Vorfall in einem Atomkraftwerk, damit die Leute in ihren Häusern bleiben und die Nationalgarde (!!!) die Stadt auf der Suche nach Sayu durchkämmen kann. Davon haben die beiden im Club keine Ahnung. Als sie diesen verlassen, ist die Stadt  unheimlich still. Plötzlich werden sie von den Soldaten verfolgt und jetzt kommt wieder etwas unglaubwürdiges, wildfremde Männer, Zwillinge, nehmen sie in ihrem Haus auf, obwohl  davor gewarnt wurde, dass die Menschen kontaminiert sein könnten. Die Zwillinge schießen mit Waffen gegen die Soldaten und riskieren ihr Leben um zwei Mädchen, die ihnen vollkommen fremd sind, zu beschützen.
Ab hier wollte ich einfach nur noch zum Ende kommen. Und ja, ich hab es geschafft das ganze Buch zu lesen, aber die Meinung der anderen kann ich einfach nicht teilen. Meine Vermutung, die ich ab der Hälfte des Buches hatte, hat sich bestätigt, aber ich blieb mit viel zu vielen Fragen zurück, die nicht aufgeklärt wurden. Es nützt mir auch nichts zu wissen, dass das nächste Buch "Sayumi - Sayu Answers" heißt.

Was die  Rechtschreibung betrifft, fand ich keine Fehler, dafür aber viel zu viele stilistische Fehlleistungen, die ein ordentliches Lektorat vermieden hätte. Wörter, die mehrmals in einem kurzen Abschnitt hintereinander benutzt wurden. Zwei Sätze die hintereinander mit dem gleichen Wort begannen. Eine Rückblende aus Sayus Sicht, die in der Vergangenheitsform hätte geschrieben werden müssen. Mehrere unglücklich gewählte Beschreibungen wie: "Mächtige, über Jahrzehnte angesammelte Errungenschaften der Menschen, lösten sich in Wohlgefallen auf."  In Wohlgefallen? Wir sprechen von der Zerstörrung von Gebäuden. Wie kann man da von Wohlgefallen schreiben?




Trotz der vielen beschriebenen Szenen, die wirklich gut waren (aus Sayumis Sicht) hat das Buch es nicht geschafft mich zu überzeugen, den nächsten Band zu kaufen. Vielleicht liegt es auch an mir, immerhin gibt es mehr positive Rezensionen dazu. Es tut mir sehr leid, vor allem weil man an manchen Stellen des Buches wirklich merkt, dass die Autorin das Zeug hat richtig gut zu schreben. Von mir erhält Sayu Smiles leider nur 3/5



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