Sonntag, 4. Mai 2014 | By: maran79

Im Land des Regengottes - Gina Mayer







Ein einfaches Leben als Dienstmagd? Als die junge Henrietta dies hört, kann sie es immer noch nicht fassen. Ihre Ersparnisse, mit denen sie eine Ausbildung zur Lehrerin machen wollte, wurden in Notzeiten von ihrer Mutter aufgebraucht. Nur eine Anstellung als Dienstmagd kann die beiden Frauen über Wasser halten, doch Henrietta will mehr!
Als ihre Mutter den Heiratsantrag eines Missionars erhält, setzt die junge Frau alles daran, dass dieser angenommen wird. Ein Leben in Afrika, dem wundersamen Land, erscheint ihr aufregender als die einfache Zukunft in der Kohlstraße. Dies kennzeichnet den Beginn einer langen Reise.






Das Cover mit den rötlichen Farben an sich finde ich gelungen, man merkt auf Anhieb von welchem Land die Geschichte handelt, nur den Titel finde ich weniger passend. Bei dem Begriff "Regengott" denke ich eher an einen Indostamm im Amazonas oder an Indianer, weniger an Afrika.




Nie und nimmer gibt die junge Henrietta sich mit dem Schicksal ab, eine einfach Dienstmagd zu sein, träumt sich doch seit Ewigkeiten davon eine Schulung als Lehrerin beginnen zu dürfen. Sogar ihr weltoffener Vater ermunterte sie stets dazu nach Wissen zu streben. Das Schicksal meint es jedoch schlecht mit ihr, alle Ersparnisse sind aufgebraucht, es bleibt kein Geld mehr für eine Schulung zur Lehrerin, dennoch weigert sie sich vehement ihren Traum gehen zu lassen.
Die Kohlstrasse in Wuppertal mit ihren Eigenheiten stellt den Beginn der Erzählung dar. Man wird in das Leben der zwei Frauen eingeführt. Henriettas Mutter arbeitet hart um sie beide nach dem Tod des Vaters über Wasser zu halten. Nun soll auch Henrietta auf einem Bauernhof Dienste leisten. Als die Mutter über einen Priester den Heiratsantrag eines Missionars aus Deutsch-Südwest erhält, drängt Henrietta regelrecht auf die Heirat. Wenn nicht in Deutschland, aber in Afrika wird sie ihren Traum erreichen können und eine Lehrerin werden. Sie behauptet sogar, von einem Stallknecht belästigt zu werden, damit sie dem Schicksal als Dienstmagd entgeht.
Natürlich ist die Angst der Mutter dementsprechend groß, so dass sie sich gezwungen sieht, den Heiratsantrag anzunehmen und die Reise in die Fremde anzutreten.
Afrika ist vollkommen anders als die junge Henrietta sich das vorgestellt hat. Ihr neuer Stiefvater entpuppt sich als das vollkommene Gegenteil ihres verstorbenen Vaters. In Bildung sieht er regelrechte Rebellion, die eine Frau niemals begehen darf. Zudem scheint der Gesundheitszustand ihrer Mutter immer schlechter zu werden. Sogar die Einheimischen sind anders, als sie sich vorgestellt hat. Der einheimische Petrus, der stets die unpassendste Kleidung trägt, scheint ein Geheimnis zu verbergen, gibt er doch vor die deutsche Sprache nicht zu verstehen, obwohl er es tut.




Den Hauptcharakter Henrietta empfand ich als durch und durch selbstsüchtig, in einigen Situationen sogar als niederträchtig. Noch nicht einmal die Gefühle ihrer Mutter bedenkt sie, als sie lügt und behauptet von einem Stallknecht belästigt zu werden. Ihr ist es sogar egal, dass ihre Mutter einen Fremden heiraten muss, um den vermeintlichen "Belästiger" in Wuppertal zurücklassen zu können. Dieses Verhalten ändert sich noch nicht einmal, als die beiden auf dem Schiff sind und es der Mutter vollkommen schlecht geht. Anstatt sich um sie zu kümmern, hält Henrietta sich öfters an Deck auf. Mag dies natürlich dem Charakter eines "Teenagers" entsprechen, so sorgte dieses Verhalten dafür, dass ich Henrietta in der ersten Hälfte des Buches überhaupt nicht leiden konnte. Für andere Leser mag das natürlich anders sein, Teenager sind nunmal selbstsüchtig, bei mir hat es lange gedauert, bis ich Henrietta vergeben konnte.

Petrus ist ein Einheimischer und arbeitet als Ochsentreiber in der Mission von Henriettas neuem Stiefvater. Er ist schlau, verbirgt diese Eigenschaft jedoch vor jedem. Auf hartem Weg hat Petrus lernen müssen, dass ein intelligenter Schwarzer nicht gerne gesehen wird. Um dies zu verbergen, kleidet er sich sogar in den lachhaftesten Trachten und gibt vor, die deutsche Sprache nicht sprechen zu können. Als Henrietta aus der Mission flieht, hilft er ihr, obwohl er dadurch seine Stellung verliert.




Im Land des Regengottes las sich spannend und flüssig. Die Sprach- und Ausdrucksweise wirkte auf mich, als würde sie genau dieser Zeit entstammen. Dies machte es umso wirklicher für mich und verdient großes Lob.
Tiefgehende Probleme hatte ich dafür mit dem weiblichen Hauptcharakter. Ich mochte Henrietta auf Anhieb nicht. Es ist nicht leicht, so etwas zu schreiben, vor allem, weil ihr selbstsüchtiges Verhalten wirklich einem Teenager entspricht. Aber zu behaupten, sie würde von einem Mann belästigt werden, damit ihre Mutter einen Fremden in Afrika heiratet, und das nur um keine Dienstmag zu werden, machte es mir sehr schwer, mit ihr warm zu werden. Ich muss auch gestehen, dass ich ihr das sogar nachtrug, nachdem sie endlich eingesehen hat, wie falsch ihr Verhalten gewesen war.
Die Probleme der Deutschen mit den Einheimischen wurden gut rübergebracht, dennoch hatte ich immerzu das Gefühl, es hätte noch besser sein können. Bei einigen Szenen hätte ich ergriffener sein und ich hätte eine enge Kehle bekommen müssen. Genauso erging es mir mit der Liebesbeziehung zwischen Henrietta und Petrus. Natürlich gab es wunderschöne Momente, die wirklich schön geschrieben waren, aber ich habe die Verzweiflung vermisst, die mit dem Wissen einhergeht, dass eine solche Liebe niemals gestattet sein wird.
Meine Fazit für das Buch lautet lesenswert, auch wenn es um einiges "tiefgehender" hätte sein können.  Diese Bewertung entspricht meiner eigenen Meinung und ja, die meisten Minuspunkte sind dem Hauptcharakter Henrietta zu verdanken. Daher kann ein anderer Leser gerade das, was mir nicht gefallen hat, umso besser finden.
Im Land des Regengottes erhält 3/5 Herzen von mir.





Außerdem möchte ich mich ganz herzlich beim


                                                 für das Rezensionsexemplar bedanken



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