Sonntag, 6. März 2016 | By: maran79

Aprikosenküsse von Claudia Winter

     - In Italien das süße Leben finden ... 
                                  mit einigen gehörigen Hindernissen! -






(Quelle: Randomhouse - Verlagsgruppe )

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Neben "Aprikosenküsse" hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Nebenbei arbeitet sie als Lektorin und Coach. Die Autorin lebt mit ihrem Lebensgefährten und den Hunden Kim und Luca in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn.




Ich empfinde das Cover für diese Geschichte als sehr erfrischend. Das Bild verrät nicht viel über den Inhalt, das übernimmt der herausragende Titel. Das Cover sticht mit seiner hellblauen Farbe hervor und harmoniert hervorragend mit den frischen Aprikosen, in die man am liebsten sofort reinbeißen möchte.
In einem Buchladen würde dieses Buch mir wahrscheinlich gerade wegen seiner Aufmachung gleich ins Auge stechen.







Nach einigen missglückten Versuchen Fuß in der Welt der Autoren zu fassen, hat die Halbitalienerin Hanna Philipps eine neue Leidenschaft gefunden. Sie beurteilt Gastronomien rund um die ganze Welt und schreibt über ihre Erfahrungen in ihrer Kolumne. Dumm nur, dass ihre letzte Kritik wenig vorteilhaft für das italienische Restaurant einer alten Dame ausfiel, woraufhin diese an einem Herzinfarkt verstirbt.
Die Klage der Hinterbliebenen droht Hanna den Job zu kosten, doch ihr Chef bietet ihr einen Ausweg an. Sie muss erneut nach Italien und Abbitte leisten. Nicht besonders einfach, denn Hanna gibt nicht gerne klein bei, vor allem nicht, wenn sie sich im Recht fühlt. Als wäre die Klage nicht schlimm genug, sorgt Hannas ureigenstes Problem - ihre Kleptomanie -  außerdem dafür, dass sie in den Besitz einer Urne gelangt ... die zufällig die Asche der Frau beherbergt, die wegen ihrer Kritik starb.





Die Herzstücke der Geschichte sind natürlich Hanna Philipps und der Italiener Fabrizio Camini. Aber auch die Nebencharaktere werden mit so viel Liebe geschildert, dass man sie einfach mögen muss.

Was Hanna betrifft, lernt man sie zu Beginn als eine Frau kennen, die nichts mehr als ihre Arbeit schätzt. Sie lässt nicht viele Leute an sich heran und merkt dadurch noch nicht einmal, wie sie sich abgrenzt. Ihre Wohnung ist immer noch nicht eingerichtet und sie hat nur eine einzige Freundin, ihre Mitarbeiterin Claire, eine thouge Französin. Die meisten anderen lässt sie links liegen, was ihr eine Aura von Hochnäsigkeit verleihen müsste, dem ist aber nicht so. Hannas Tick, bei Stress etwas einzustecken, hebt sie hervor und verriet mir gleich, dass es bei ihr viel mehr zu entdecken gibt.

Fabrizio Camini ist kein typischer Macho, aber manchmal ein richtiger Griesgram ... ein junger, sehr heißer Griesgram. Er ist der Erbe der Camini-Ländereien und trägt daher eine große Verantwortung. Seine Nonna herrschte mit strenger Hand über die Familie und deren Besitz, daher fällt es ihm ungemein schwer, ihren plötzlichen Tod zu akzeptieren. Viel mehr noch, als ihre Urne genau unter seiner Aufsicht verloren geht. Er ist nicht der typische Bad Boy, aber durchaus ein Mann, der die guten Seiten des Lebens zu schätzen weiß, Liebe jedoch nie wieder an sich heranlassen will, zu sehr hat er sich einmal daran verbrannt.

Zu den Nebencharakteren gibt es auch eine Menge zu sagen. Hier haben wir die wortgewandte Französin Claire, die in Notlagen immer für Hanna da ist. Oder Rosa-Maria, die strenge Köchin der Caminis, die nichts mehr liebt als zu kochen und ihre hochromantischen Liebesromane zu lesen. Lucia ist auch das Herz der Camini-Ländereien. Als Fabrizios Schwägerin ist sie eine der wenigen, die sich nicht davor scheuen ihm den Kopf zurechtzustutzen. Über Marco musste ich lange überlegen, was ich schreiben sollte. Er fungiert eindeutig als der Antagonist in dieser Geschichte und doch ist er nicht stereotyp. Auch er hat mehr zu bieten als das.




Aprikosenküsse ist der erste von mir gelesen Roman der Autorin. Ich habe mich für ein e-book entschieden, da erstens mein Bücherregal keinen Platz mehr bietet und ich zweitens nicht wirklich wusste, wie die Autorin schrieb. Nun bin ich schlauer, aber kommen wir erst einmal zu dem Inhalt, den es zu bewerten gilt.

Aufgrund einer Verwicklung von Ereignissen begegnen sich die beiden Hauptcharaktere am Flughafen in Deutschland. Während Fabrizio darauf wartet, dass sein Flug aufgerufen wird, und die Urne mit der Asche seiner Nonna auf einem Sims abgestellt hat, muss Hanna sich in der Nähe durch ein sehr stressiges Gespräch mit ihrem Chef durchquälen. In diesem wird sie informiert, dass ihre harsche Kritik des Camini-Restaurants der alten Besitzerin das Leben gekostet und der Redaktion eine Klage eingebracht hat.
Wie immer, wenn es ihr zuviel wird, greift Hanna ungesehen nach einem Gegenstand, den sie einstecken kann. Der Diebstahl wirkt sofort und beruhigt sie, nur dumm, dass der Gegenstand, den sie auf den ersten Blick für eine Vase hielt, sich später als Urne herausstellt.
Das fand ich toll! Wie oft liest man schon von einer Heldin, die klaut um sich zu beruhigen. Hannas Problem wurde außerdem so liebevoll geschildert, dass man es ihr einfach nicht übel nehmen kann. Vor allem dann nicht, wenn man erfährt, dass sie sich jedes Lokal merkt, aus dem sie etwas entwendet hat und es später wieder zurückschicken lässt.
Es fühlt sich wie Schicksal an, dass die Urne ausgerechnet in ihre Hände gelangt ist. Notgedrungen macht sie sich also auf den Weg nach Italien, um Nonna wieder mit ihrer Familie zu vereinen.
Hierbei möchte ich einfügen, dass Claudia Winter die Landschaft und Tradition dieses sagenumworbenen Landes hervorragend rübergebracht und beschrieben hat. Man merkt also die Recherche, die hinter diesem Buch stecken muss, wird aber nicht mit viel zu vielen Fremdwörtern überschüttet.
Sie hat es auch geschafft Hannas beschwerliche Reise zum Camini-Anwesen so wunderbar und köstlich zu schildern, dass ich mehrmals lauthals lachen, oder die arme Seele bedauern musste, denn Hanna tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste.
Obwohl es sich hierbei um eine Liebesgeschichte handelt, punktet Aprikosenküsse auch deswegen bei mir, weil die beiden sich nicht Hals über Kopf ineinander verlieben. Wenn man schon ihre anfängliche Beziehung beschreiben müsste, dann wäre es die von Hund und Katz. Und genau wie Hund und Katz, die gezwungen sind in einer Wohngemeinschaft miteinander zu leben, so finden auch Hanna und Fabrizio einen Weg miteinander umzugehen.






Aufs Lesen macht alleine der Klapptext schon Laune. Selten hatte ich Charaktere vor mir, die so verschroben und doch liebenswert sind. Geschrieben wurde die Geschichte in der Ich-Perspektive. Aus Hannas und aus der Sicht Fabrizios. Die Ich-Perspektive für Aprikosenküsse ist genau das Richtige. Sie ermöglicht dem Leser einen näheren Einblick in das Wesen der beiden Hauptcharaktere. Und diese wurden mit so viel Liebe gestaltet, dass ich das Gefühl hatte, hier wäre der Autorin etwas sehr Gutes gelungen.
Auch die Story war spannend, denn die Zuneigung zueinander geschah nicht einfach so, sondern enwickelte sich in genau dem passenden Tempo.
Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann wären es drei oder vier Sätze, die so lang und verschachtelt geschrieben wurden, dass ich während des Lesens stockte. Rechtschreibung und Gramatik waren in Ordnung, nur musste ich die besagten Sätze mehrmals lesen, um zu verstehen was gemeint war. Das ist aber wirklich mehr eine Anmerkung, denn eine Kritik. Bei dem Spaß, den ich beim lesen dieses e-books hatte, kann ich getrost darüber hinwegsehen.

Für diesen Lesegenuss vergebe ich sehr gerne 5/5 Sterne und eine Kaufempfehlung.







2 Kommentare:

Lady Moonlight hat gesagt…

Herzlich willkommen zurück in der Bloggerwelt :)

Eine tolle Rezension! Eine Protagonistin, die zur Beruhigung klaut, stelle ich mir tatsächlich ziemlich interessant vor :)

LG Katharina

maran79 hat gesagt…

Danke dir =)

Ich hab durchwegs gelacht, weil sie wirklich vom Regen in die Traufe gekommen ist. Die Charaktere sind so toll, selten werden sie so gut beschrieben. Würde dir auf jeden Fall raten das Buch zu lesen =)
lg Maran

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